Die Fotografie Section · Die Welt im Fokus

Kunstfotografie hat sich innerhalb der anderen Künste wie Malerei oder Skulptur lange durchsetzen müssen, da ihr der Vorwurf gemacht wurde bloß die unmittelbare Wirklichkeit darstellen zu können. Die künstlerische Eigenständigkeit wurde ihr so abgesprochen. Die Entwicklung der Fotografie hat aber gezeigt, dass das Medium viel mehr kann als nur abzubilden. Mit der Auswahl des Ausschnitts, durch die Wahl des Motivs und die Ausleuchtung beeinflusst der Fotograf maßgeblich, wie das fertige Bild wirkt. Inzwischen zeigt sich, dass Fotos als Kunst anerkannt werden und wie beliebt zeitgenössische Fotografien bei einem großen Publikum sind. Künstler wie Cindy Sherman, Wolfgang Tillmanns oder Jeff Walls haben gezeigt, was Fotos eigentlich überhaupt alles können und beeindrucken weltweit mit ihren Ausstellungen. Fest steht, dass Fotografien leichter zugänglich sind, da man meist erkennt was zu sehen ist und es dem Betrachter, im Vergleich zu anderen Kunstformen, oft leichter fällt darüber zu sprechen und eine Beziehung zu dem Bild aufzubauen. Künstler haben dabei Wege gefunden ihre Fotos strategisch zu inszenieren und so den Betrachter direkt anzusprechen: Modelle für die Porträts werden ausgewählt und angezogen, Posen werden einstudiert, Menschen in Gruppen einzeln gestellt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen und die Botschaft des Bildes klarer zu formulieren. Ob der Betrachter diese feine Bildsprache erkennt ist dabei oft nur zweitrangig, da es viel stärker darum geht die Aufmerksamkeit auf die transportierte Botschaft des Werkes zu lenken.

Schon gewusst: Fotografie wurde in ihren Anfängen ihre künstlerische Eigenständigkeit abgesprochen, weil ihr vorgeworfen wurde nur die Natur abzubilden

Kunstfotografie als Anspruch die Welt neu zu sehen

Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass Kunstfotografie im Kunstmarkt nicht mehr wegzudenken ist. Auch auf der Berliner Liste 2016 wird dieser Tendenz inzwischen seit vier Jahren mit der Fotografie Section eine eigene Plattform gewidmet. Der Reiz besteht hier aus der Präsentation von bekannteren Künstlern neben jungen neuen Gesichtern, die ihren Platz noch finden müssen. Gerade bei den Nachwuchskünstlern sind noch Überraschungen und ein überragender Wagemut für neue fotografische Experimente zu finden. In einer Zeit in der jeder mit seinen Smartphones Schnappschüsse machen und damit Momente festhalten kann und sich diese mit Pressefotografien mischen zeigt sich, dass wir in einer Zeit der Bilder leben. Welche Fotos werden unser Zeitalter beschreiben? An welche Bilder denken wir bei bestimmten Ereignissen? Fotografie ist oft vom Alltag inspiriert und nimmt einzelne Aspekte heraus, um die Welt besser zu verstehen. Mal geht es darum das Motiv aus außergewöhnlichen Perspektiven unter die Lupe zu nehmen, mal geht es darum einen faszinierenden Moment für die Ewigkeit festzuhalten und andere Male soll ein Bild entstehen, das über bloße Worte hinausreicht. Fotografie darf Ereignisse dokumentieren oder auch ganz abstrakt sich der reinen Abbildung verweigern, gerade in der Vielseitigkeit des Mediums liegt der Reiz dieser Kunstform. In der fotografie geht es darum die Welt durch den Auslöser zu betrachten und es lohnt sich als Besucher zu fragen, was das Bild so interessant macht oder was den Fotografen gerade an diesem Motiv interessiert haben könnte.

Schon gewusst: Galerien wie Lumas haben Kunstfotografie für die breite Öffentlichkeit bekannt und mit ihren hohen Auflagen an Editionen auch erschwinglich gemacht. Inzwischen ist Fotografie in der Kunst etabliert und aus den heimischen vier Wänden nicht mehr wegzudenken

Die Entwicklung von Kunstfotografie · Vom musealen Einzelstück zu Lumas

In ihren Anfängen waren Fotos bedingt durch die Technik oft noch sehr teuer, man musste Stunden starr vor der Kamera verharren, da die Bilder sonst unscharf wurden und so begann das Medium eher als Randerscheinung. Diese schwarz-weißen Vorboten der modernen Fotografie stammen aus der frühen Hälfte des 19. Jahrhunderts und bilden heute die Grundlage für viele museale Sammlungen. Die Verbreitung der Fotografie beruht auf einem Minimum an Standardisierung und diese Entwicklung begann um 1888 mit der ersten in größerem Maßstab industriell gefertigten Rollfilmkamera, der Kodak Nr. 1. Der Apparat war klein, leicht, mit einem Verkaufspreis von 25 Dollar jedoch vergleichsweise teuer, bildet aber die Grundlage für die heutige Erfolgsgeschichte des Mediums. Fotografien konnten zunächst also nur als Unikate hergestellt werden und erst mit der Entwicklung des Rollfilms sowie der Kleinbildkamera entstanden völlig neue Möglichkeiten für eine mobile, schnelle Fotografie, die sich auch in größerer Auflage reproduzieren ließen. Kunstfotografie ist eng mit der technischen Entwicklung verbunden, da die Künstler mit zunehmenden Verbesserungen auch künstlerische Freiheiten erlangten. Heute sieht man dem Medium seine holprigen Anfänge nicht mehr an und inzwischen zweifelt kaum jemand noch, dass Fotografie auch Kunst sein kann. Inzwischen sind Fotografen sogar unter den höchst gerankten Plätzen auf den internationalen Kunstlisten. Galerien wie Lumas haben mit ihren erschwinglichen Preisen durch die höheren Auflagen gezeigt, dass Fotografie inzwischen etwas für jeden sein kann.

Schon gewusst: Die Entwicklung der Fotografie als Kunstform ist von der technischen Entwicklung und Werkzeugen abhängig gewesen

Eine Auswahl an höchst vielseitiger Fotokunst

Der Fotografie Kurator der Berliner Liste 2016 Stefan Maria Rother hat ein feinsinniges Gespür dafür neue Talente in der Kunst zu entdecken und diese in ansprechenden Ausstellungen zu präsentieren. Seine Auswahl zeigt uns junge neue Gesichter und auch bekanntere Künstler, die uns ihre Leidenschaft und ihren Spaß für das Medium vermitteln. Kunst lässt sich hier direkt erkunden, ohne dass sich der Besucher unbedingt zuerst viele Informationen durchlesen muss. Nach diesem ersten Eindruck geben die Galerien aber gerne Auskünfte und oft wandelt sich ein Bild durch zusätzliche Informationen noch einmal in eine ganz andere Richtung. Ob ein Werk auf den ersten Blick gefällt hat oft viele Gründe: Farben, Licht, Stimmung aber auch Motiv oder Größe sind dabei ausschlaggebend. Die Auswahl des Kurators möglichst vielseitige künstlerische Positionen zu zeigen und uns mit neuen Perspektiven oder Techniken zu überraschen, macht einen Besuch auf der Berliner Liste 2016 überaus empfehlenswert. Ob Fachleute, Sammler oder einfach Neugierige, die sonst nie ins Museum gehen, die Messe bietet durch ihre künstlerischen Schwerpunkte sowie durch ihr kulinarisches Angebot Momente der Inspiration, des Verweilens und Orte des Austauschs. Kunst präsentiert sich hier in einem neuen Glanz und inspiriert zur direkten Schatzsuche.